Gurke92 ist Mitglied in der “Bande gefährlicher Superhelden” und schreibt außerdem noch mit großer Leidenschaft Gedichte. Diese beiden Punkte in Kombination miteinander waren für mich ein sehr triftiger Grund, die phänomenale Gurke92 interviewtechnisch vorzustellen.
Ey Lou Flynn: Hallo Gurke, erzähl uns etwas von Deinen Gedichten! Was für Gedichte sind das eigentlich, warum schreibst Du sie und warum sollten wir sie lesen?
Gurke92: Die Gedichte und eigentlich auch alle anderen Texte, die ich schreibe, sind meistens eher etwas obskure Werke. Der Entstehungsprozess sieht nämlich zum Beispiel so aus, dass ich eine Sache anschaue und mir währenddessen ein Satz zu einer völlig anderen Sache einfällt. Diesen Satz schreibe ich auf, spinne noch ein bisschen was drum herum und am Ende wird wieder ein Bezug zur ersten Sache hergestellt. Ich schreibe das nur auf, weil ich’s nicht zeichnen kann, es ist nämlich schwierig einen Ventilator zu sehen, trotzdem eine Bürste zu zeichnen und am Ende dann doch einen Ventilator auf dem Papier zu haben…
Lou: …???…
92: …Oh, und man sollte sie lesen, weil es theoretisch jeden Tag ein neues gibt. Außerdem macht lesen viel mehr Spaß, wenn man nicht in der Schule dazu gezwungen wird. Wer sich davon nicht überzeugen lässt, dem lese ich meine Texte auch gerne in Form einer kostenlos downloadbaren mp3 Datei (wie z.B. auf meiner jüngst veröffentlichten, kostenlosen Spoken Word Download EP “Käse mit Folgen”) oder seit Neuestem auch bei solch’ spaßigen Veranstaltungen wie Poetry Slams vor.
Lou: “Poetry Slams” sind zwei sehr gute Stichworte! Du hast gerade Deinen ersten Poetry-Slam hinter Dir. Wenn ich das richtig verstehe, tragen da mehrere noch lebende Dichter dem Publikum ihre Werke im gegenseitigen Wettbewerb vor. Wie extrem war Dein Lampenfieber und wie hat Dir das ganze gefallen?
92: War schon ziemlich… krass da oben auf der Bühne zu stehen vor ca. 100 Leuten und einfach mal selbst geschriebene Texte vorzutragen, aber hat unfassbar Spaß gemacht, ich hab’ wohl ein neues kostspieliges Hobby. Und immerhin wurde ich direkt mal ins Finale gewählt und habe Platz 3 belegt.
Lou: Meine Glückwünsche!
Gurke92 mit Buch
Lou: Entwerfen wir eine Utopie: Was erhoffst Du Dir in greifbarer Zukunft von Deinem kreativen Reimprojekt? Was müsste passieren, damit Du Dir hochzufrieden auf die Schulter klopfen, Luftsprünge machen und Bäume umarmen kannst?
92: Ich will mit dem Zug durch Deutschland fahren und nebenbei soviele Slams abklappern wie möglich. Es ist einfach, wie ich letztens erstmalig feststellen durfte, unglaublich spaßbringend hoch droben auf der Bühne zu stehen und dem Publikum meine Texte entgegen zu schmettern. Und wenn das Publikum dann noch auf die Idee meine Texte zu mögen und mich weiter zu wählen, kann’s eigentlich gar nicht mehr besser laufen. Außerdem mag ich Zugfahren, da hat man Zeit zu lesen.
Lou: Hast Du ein paar heiß geliebte Dichter und Poeten für uns, die Du besonders empfehlen kannst? Und wie heißt eigentlich der unfähigste berühmte Dichter der Welt?
92: Ein wirklich unfähiger Dichter fällt mir spontan nicht ein. “Unfähig” würde ich letztendlich auch nur die bezeichnen, die keine eigenen Ideen haben und sich alles bei anderen zusammen klauen…
Lou: … Pablo Picasso hat aber gesagt: “Gute Künstler kopieren, großartige Künstler klauen”…
92: …Rainer Maria Rilke finde ich einen ziemlich großartigen Dichter und ich mag Goethe sehr.
Ansonsten bin ich eher großer Fan lebender Poeten, wie z.B. den beiden Sebastians aus dem Poetry Slam, Sebastian Krämer und Sebastian 23. Ersterer ist zudem noch ein äußerst genialer Klavierkabarettist (und hat eine sehr extravagante Krawattenknoten-Technik). Sebastian 23 ist ein Genie mit Mütze. Wenn man beide einfach mal bei Youtube sucht, findet man schon eine ganze Menge empfehlenswerter, guter Auftritte.
[Gurke92 empfiehlt: Rainer Maria Rilke | J. W. Goethe | Sebastian Krämer | Sebastian 23]
Lou: Ich will Dir etwas gestehen: Zu Gedichten finde ich oft keinen Zugang. Besonders, wenn sie weniger als 50 Jahre alt sind. Meinen Wälzer mit neuer deutscher Lyrik musste ich eines Tages wegschmeißen, weil ich die Werke darin entweder nichtssagend fand oder nicht kapiert habe. Gibt es Hoffnung für Lyrikbanausen wie mich?
92: Die einzige Hoffnung, wäre wohl ein mit Gedichten bekritzelter Strick.
Nein, Quatsch. Ich weiß zwar natürlich nicht wie das bei dir ist, aber ich finde, das die meisten immer noch zu sehr auf den Autor fixiert sind. Sicher, der Autor ist wichtig und meistenfalls hat er auch was zu sagen, aber das Wichtigste ist nicht herauszufinden worin jetzt die Verfasserintention besteht, sondern was man selbst aus einem Text macht. Und wenn dieser einen nur zum lachen bringt oder wenn man nur die Wortwahl interessant findet, hat man ja schon seinen Wert aus dem Text gezogen.
Lou: Und wenn einen der Text nun aber nicht zum Lachen bringt und man die Wortwahl auch nicht interessant findet?
92: Man kann natürlich auch einem Baum gesellschaftkritische Symbolik beimessen, weil der Baum sich von dem Sturm sagen lässt, in welche Richtung er sich neigen soll. In diesem Beispiel würde der Sturm für die Regierung stehen und der Baum für die obrigkeitshörige Gesellschaft. Wenn man das in dem Baum sehen will, bitte. Man kann aber einfach nur sagen: “Wow, tolle Beschreibung. Macht Lust auf einen Spaziergang im Sturm.”
Lou: Und wenn…
92: Und wenn man einem Gedicht partout nichts entlocken kann, sollte man sich nicht daran verbeißen irgendwas daraus machen zu müssen. Wer überhaupt nicht nicht mit Lyrik klar kommt, sollte es mal mit Prosa versuchen. Wer’s gar nicht mit Literatur hat, na gut, es gibt ja noch andere Formen der Kunst. Aber die, die gar keine Form der Kunst mögen, die gibt es auch. Deren Existenz ist auch nicht weiter tragisch. Über irgendjemanden muss man sich ja beschweren können…
Lou: Es gibt zum Beispiel auch noch Musik
– und Ich liebe Literatur!
Ganz nebenbei sind wir beide noch Mitglied bei den gefährlichen Superhelden. Kannst Du der Leserschaft mal kurz erklären, was für eine Sekte das ist und was wir da treiben?
92: Wir sind doch die, die gerade dabei sind, die genaue Zeit des Weltuntergangs zu berechnen, oder?
Ach ne, ‘tschuldigung, das war die andere Sekte. Wir sind eher so ein ziemlich abgedrehter Haufen der Werbung für diesen seltsamen Musiker namens, … äh … irgendwas mit Flynn, macht, indem wir versuchen uns durchgeknallte Promoaktionen auszudenken und auszuführen. Macht Spaß. Meistens.
Lou: Ich kann die gefährlichen Superhelden auch sehr empfehlen! Danke für Das Interview!
Zur Website von Gurke92
Gurkes “Käse mit Folgen”-EP zum Download
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Hihi, sehr schönes Interview!
Ich wollte auch immer mal an nem Slam teilnehmen. Hab mich bisher noch nicht rangetraut. Mal schaun, ob das nochmal was wird. Hab ja auch das eine oder andere Gedicht rumliegen, das es wert wäre, das Licht der Öffentlichkeit (und der Bühne) zu erblicken.
Das Foto ist übrigens auch sehr aussagekräftig. “Gurke mit Buch”. Da sieht man gleich, dass man es mit einem höchst intelektuellen Wesen zu tun hat. Bravo!
Schönes Interview! Schöne Gedichte! Weiter so an beide!
Der ChillFried
PS: Darf ich mir “Der Keks” ausdrucken und aufm Klo aufhängen?
Ach ja, Gedichte. Ich habe auch mal Gedichte geschrieben, nur waren es Herzschmerz Liebesgedichte. Sie waren auch nicht so besonders und sie wären es ebenfalls nicht Wert, das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken, bzw. wäre mir das peinlich. Ich bin so ein Angsthase.
Viel Erfolg, Gurke92!
Hey Gürkchen,
Dein interview ist wirklich sehr inspirierend!!!
Ich hatte noch keine Ahnung von “Poetry Slams”, jetzt will ich unbedingt auch mal welche sehen und vielleicht auch dran teilnehmen, weil ich ebenfalls Gedichte, Prosa etc. schreibe. Ich war auch scho öfter auf deiner page!!! Echt klasse!
Von deinen Audiosachen gefällt mir “Die Zahlen 1-4″ am besten! Vorallem habe ich einen aus meiner klasse gefragt, der schon sehr lange tanzt und er meinte, bei ihm war es eine zeit lang wirklich so, dass er jede Handlung vier mal machen musste, weil er immer den 4/4-Takt vollkriegen wollte!!! Einfach großartig deine Kunst! Mach weiter so!
bewundernde Grüße
Miri