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Ich wünschte, ich wär Lady Gaga

von Ey Lou Flynn | 18 Kommentare
 

…und das meine ich zu 60% ernst, Prozentsatz steigend. In letzter Zeit ertappe ich mich immer häufiger dabei, schockierte Passanten obszön anzutanzen. Ich war schon kurz davor, mir einen Fleischmantel zu basteln, dabei bin ich fast-Vegetarier. Ich habe das Gefühl, es wäre alles viel leichter, wenn ich Lady Gaga wäre.

Bevor Lady Gaga zu Lady Gaga ward, hieß sie Stefani Joanne Angelina Germanotta ( :roll: ) und hat richtig passable Musik gemacht (Naja. Wie man’s nimmt):

Na okay, das schrille Gekreische da oben würde ich mir persönlich auch nicht auf den iPod laden (ich höre nie iPod). Klingt mir zu einfallslos und überemotionalisiert. Trotzdem war Stefani Joanne Angelina Germanotta – nennen wir sie Steffi – eine richtig gute Musikerin (und ein heißer Feger, was in der Branche von größter Wichtigkeit ist). Ich glaube, sie hat genau die Musik gemacht, die ihr am Herzen hing.

Irgendwann musste Steffi aber einsehen, dass sich mit ihrer Vorstellung von tollen Songs keine rechte Weltkarriere starten ließ. Sie begann ihre verhängnisvolle, aber extrem erfolgsträchtige Transformation zu Lady Gaga und der Rest ist zu blöde, um hier näher darauf einzugehen.

:|

Nach und nach dämmert meinem ehemals naiven Musiker-Weltbild immer mehr, dass es für Newcomer tatsächlich extrem schwierig ist, allein mit Musik echte Aufmerksamkeit zu ergattern. Außer eben für waschechte Lady Gagas (oder für einen waschechten Alexander Marcus, um nicht immer nur auf Steffi einzuhacken). Und das frustriert wahnsinnig. Überhaupt: Die Bezeichnung “Newcomer” ist ein reiner Euphemismus, genau wie “Entwicklungsländer”. Ich möchte auch unterstreichen, dass ich nicht mal in erster Linie mich selbst bemitleide…

Neulich bin ich auf “The Brothers Streep” gestoßen, eine irrsinnig sympathische Band! Sie haben ein Lied über zweite-Klasse-Schauspielerin Anna Paquin gemacht:

Ist das nicht grandios? Damit waren sie schon amerikaweit im TV, und trotzdem, zumindest ihrer last.fm-Statistik nach zu urteilen, hört die kein Mensch (abgesehen von mir, und ich bin ein Mensch).

Es gibt tausende interessanter, aber obskurer Bands. Das ist zugegeben nichts Neues. Ich denke aber, das hoffnungslose Ausmaß der Obskurität obskurer Bands ist kaum jemandem so richtig bewusst, abgesehen von den Bands selbst. Erschütterndes Beispiel:

Bandcamp.com ist eine aufstrebende Internetplattform. Tausende Musiker aus aller Welt nutzen sie als einziges Downloadportal für ihre Musik, die sie oftmals kostenlos anbieten. Und jetzt kommt’s: Nur ein kleiner Bruchteil der Bands, die ihre Musik auf Bandcamp für Lau vertreiben, bringt es auf mehr als 200 Downloads pro Monat. Schreiben die Betreiber der Website. Wir sprechen zum Teil von richtig ambitionierten Bands und kostenlosen mp3s! Es ist menschenverachtend.

So viel auch zum Thema “Mehr Aufmerksamkeit und Fans durch Creative-Commons-lizensierte Musik!” und “Major-Labels sind im Internet-Zeitalter total überflüssig” oder “Qualität setzt sich durch”. Wie wär’s damit: FLEISCH setzt sich durch! (und Sex) :evil:

:oops:

Ähem, jedenfalls…

Ich hoffe, ich konnte in etwa vermitteln, warum es mir inzwischen reizvoll erscheint, eine Lady-Gaga-Nummer abzuziehen. Was für Musikanten mit Rückgrat aber selbstverständlich keine echte Option ist (ich habe Rückgrat). Im Grunde frage ich mich einfach folgendes:

Wie zum Teufel kann ein anständiger, voll cooler, ehrenamtlicher, dufter Musikschaffender wenigstens eine Handvoll soliden Ruhmes und nachhaltiger Bekanntheit abgreifen, ohne seine Seele zu verkoofen? (Von Geld rede ich hier gar nicht erst.) Das wird die nächsten Monate über mein neues zu lösendes Rätsel werden. Denn wenn mein kommendes A-l-b-u-m kommt, soll es gefälligst weggehen wie warme Semmeln. Ist das etwa zu viel verlangt? Vorschläge, was zu unternehmen wäre? (Das war ein Aufruf zu kommentartechnischer Intervention.)

Grumpelige Grüße,
Ey Lou

PS – Ich komme auf mehr als 200 Downloads im Monat. Mein GOTT, bin ich populär! :roll:

PS2 – “Lady Gaga” zu schreiben, kann sich ganz schnell zu einer Sucht entwickeln. Lady Gaga Lady Gaga Lady Gaga Lady Gaga.

PS3 – Den “Anna-Paquin”-Song gibt’s auf last.fm als kostenloses mp3. (Mehrmals klicken, falls “Service unavailable” erscheint.)

PS4 – Ich mach hier zu 40% Spaß. Ergo bin ich fast gar nicht gefrustet. ;)

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veröffentlicht: 16/10/10
 

18 Kommentare zu „Ich wünschte, ich wär Lady Gaga“

  1. Louise sagt:

    So, ich habe gehört, deine Lieder laufen in Frankfurt im Radio? Das ist doch schon mal was!
    Aber du könntest ja auch, um mal ein bisschen Aufmerksamkeit außerhalb von Hessen, wo auch immer das liegt, zu ziehen, indem du mal einen gecoverten Song aufnimmst! Mein ultimativer Vorschlag: Die JU-Hymne! Nur so, um an deine Hommage an die CDU anzuschließen, aber du willst ja immerhin vor allem junge Menschen ansprechen, oder etwa nicht? Weitermachen kannst du dann mit den Julis, die haben auch ein nettes Lied, nur mit den Jusos kann ich nicht dienen, die haben kein Geld für sowas.
    Also, ich finde, damit könntest du schon eine Menge anfangen. Denk drüber nach ;)

  2. Ey Lou Flynn sagt:

    Ich dachte, meine JU-Hymne wäre “Muuh!”? Ich habe auch etwas Lob für den Song gekriegt, aber leider nicht von der Jungen Union, soweit ich mich erinnere. Das empfinde ich als sehr undankbar.

    Sogar NPD-Jungs haben mir Feedback gegeben, als ich ihnen ein “keiner mag mich”-Video gebastelt habe. Naja. Sie waren etwas unfreundlich, aber was will mensch machen, Nazis eben :(

    (Vielleicht auch eine gute Promotion-Strategie: Meine eigenen Videos schamlos in allem verlinken, was ich irgendwo schreibe)

  3. Louise sagt:

    Das hier ist die JU-Hymne:
    http://www.youtube.com/watch?v=r6eAjDn-Ybw
    Und die der Julis:
    http://www.youtube.com/watch?v=VEZyDHkWqfI

    Es bringt dir aber nichts, alle deine Videos in einen Satz einzubinden, wenn niemand diesen Satz liest, also musst du dir noch was einfallen lassen, damit mehr Menschen deine Seiten besuchen.

  4. Dr. Borstel sagt:

    Anna Paquin, Anna Paquin … Hey, ich mag die! Irgendwie. Süß ist sie doch. Aber der Song ist trotzdem klasse.

    Ja, ich bin auch immer wieder entsetzt, wenn ich eine tolle neue Band entdecke und feststelle, dass sie bei Last.fm gerade mal 500 gescrobbelte Titel hat. Ich meine, hey, bin ich der einzige Mensch mit Geschmack? (Wahrscheinlich schon, aber das tut nichts zur Sache.) Oder sind alle anderen Menschen einfach zu faul, sich zumindest einmal die Woche durch halb Bandcamp zu klicken und Alben runterzuladen, von denen ich die Hälfte immer noch nicht gehört habe? Schlimm, schlimm. Jedenfalls habe ich mir dringend vorgenommen, öfters über unbekannte Bands zu bloggen. Schon, damit man mich beim Anblick meines Last-fm-Profils nicht für einen sozial verwahrlosten Indie-Nerd halten muss.

    Worauf ich eigentlich hinaus wollte (nur fällt mir gerade keine eloquente Überleitung ein):

    Ohne seine Seele zu verkaufen geht es einfach nicht. Man muss nur wissen, wo man sie am besten verkauft. Telekom-Werbung? Einen FIFA-Soundtrack? Oder gleich an Satan persönlich? Du hast die Auswahl!

  5. Ey Lou Flynn sagt:

    Waaah, Louise, was für einen… [abwertender Begriff Deiner Wahl]… verlinkst Du hier? :mrgreen:

    Ich finde offen gesagt, die Interpreten der beiden Werke da oben machen in erster Linie sich selbst lächerlich, und nicht so sehr das Subjekt ihrer Lieder. Naja. Politik und guter Humor ist sowieso so ‘ne Sache, gell? ;)

  6. Ey Lou Flynn sagt:

    @ Dr. Borstel – DANKE! Und ja, Anna Paquin ist schon süß, gar keine Frage. Sie hat ja auch einen verdienten Oscar bekommen. Der Song ist eine augenzwinkernde (aber freundliche) Homage, würde ich sagen.

  7. Mareike sagt:

    Genau! Was hast du gegen Anna Paquin, HERR FLYNN?

    *böseguck* :P

    lg,
    Nadine

  8. Ey Lou Flynn sagt:

    Sorry Mareike/Nadine,

    ich wollte FRAU PAQUIN da oben nicht schlecht machen. Das kam wohl missverständlich rüber. :)

    Grüßbrei,
    Peter

  9. wünsch dir nicht Lady Gaga zu sein, den diese hatte vorher auch gestrippt ;)

    Trotzdem macht sie weiterhin noch geile akustik versionen ihrer songs. Höre hier ;)

    http://www.youtube.com/watch?v=l3R3KqrJAI4

    Ich glaube einfach das ein bisschen Glück dazu zählt, das man “entdeckt” wird. Auch gute Musiker können durch ihre Musik (und das ganz ohne jegliche Veränderung daran) erfolgreich sein.

  10. Ey Lou Flynn sagt:

    Ha! Da hab ich aber eine viel grandiosere Lady-Gaga-Akustik-Version anzubieten:

    http://www.youtube.com/watch?v=h0FPZolbYns

  11. Die beiden letzten Akustik-Versionenen von Lady Gaga sind tatsächlich cool.

    (H)Ey Lou???
    Das da >> (…) nicht auf den iPod laden (ich höre nie iPod). (…) ist doch ein Provokation in meine Richtung, oder?? (hier fehlt ein Prügel-Smiley) :-P

    Egal, du hast Frust. Ich ignoriere deine aggressive Anspielung mal. Bin ja Grosszügig.

    Die Sache mit dem Erfolg ist so eine Sache… Guck dir Microsoft an: Die haben NOCH NIE ein vernünftiges Produkt auf den Markt gebracht und alle nutzen das Zeug trotzdem. (Wenn auch keiner weiß warum)

    Um den ultimativen Erfolg zu haben, wirst du deine Selbstachtung verlieren müßen. Du wirst kriechen, schleimen und Arsch lecken ohne Ende müßen. Du wirst deine Seele verkaufen müßen.

    Mein Tipp: Geh´mit Lothar Matthäus ins Bett!!

  12. Ey Lou Flynn sagt:

    Nachdem ich schon bei dem Raubkopierer-Wettbewerb iPods in Aussicht gestellt hatte, hab ich mich verpflichtet gefühlt, ein bisschen gegen Apple zu stänkern. Nicht, dass es so aussieht, ich hätte auch so ‘nen Fetisch wie… andere.

    Sei nicht so hart zu Microsoft. “Word” gefällt mir richtig gut, von den Funktionen und der Bedienung mal abgesehen. Und Outlook… ähem, naja gut. Themawechsel!

    “Um den ultimativen Erfolg zu haben, wirst du deine Selbstachtung verlieren müßen. Du wirst kriechen, schleimen und Arsch lecken ohne Ende müßen. Du wirst deine Seele verkaufen müßen.”

    Let’s go!

  13. Du findest “Word” gut??? *so richtig scheiss dämlich guck*
    Wird Zeit, dass du dir mal Apples iWork anguckst. Klick macht klug! (Vorallem die Videos)

    Da bekommst du feuchte Augen!!! (Ernsthaft. Ich hatte ja auch mal ´nen Windoof-Befeuerten Rechner. Und wenn du von Microsoft-Office auf iWork umsteigst, ist das wie eine Offenbarung. Und dann der Preis von iWork: 75.- Euronen. Gibt es von Microsoft irgendeine Software für 75.- Tacken???)

  14. Bruder Grimm sagt:

    Tja Ey Lou, etweder Du machst immer weiter und gehst den harten Weg mit Dreck fressen und hoffst auf den einen Moment in dem alles passt und wirst ne große Nummer, oder… Du weißt schon, Charakter-Reload und ein wenig Seele verkaufen.

    Da ich deinen Blog mag und auch ein Teil deiner Lieder(es kann nicht alles passen :) ) würde ich gern ein Song deiner Wahl in einem Artikel “bearbeiten” – die Hälfte der Leser kennst Du zwar.

    Wenn Du Lust hast, schick einfach ne Mail. Wenn Du keine Lust hast kannst Du natürlich auch eine Mail senden.

  15. Julian sagt:

    Ach Anna Paquin finde ich super! Nett anzuschauen, in Almost Famous, Finding Forrester und das Piano spielt sie ganz gut und überhaupt.

    Ich glaube nicht, dass Lady Gaga ihre Ideale verraten hat. Ich glaube Milla Jovovich (macht ja auch Musik) hat mal gesagt, dass man oft Musik macht, die man privat nicht hört, weil man es nicht anders kann oder will oder was auch immer. Ich verstehe immer nicht, warum Lady Gaga so verdroschen wird. Wenn ich sie mit Ellie Jackson oder Little Boots vergleiche fällt mir auf, dass die Musik recht identisch ist. Klar, LB macht nette kleine Youtube Videos mit ihren neuesten Spielzeugen, aber Lady Gaga ist ja auch eine Kunstfigur, die so gar nicht existiert. Und diese Figur verkauft ihre Musik, die ich gar nicht mal so übel finde. Sie gefällt mir sogar ausgezeichnet gut – obwohl ich solche Musik eigentlich eher selten höre. Was mir vor allem auffällt: Sowohl das oben stehende Video als auch ihre CDs zeichnen sich dadurch aus, dass das Songwriting sehr effektiv und gestrafft ist. Will sagen: beides ist recht gut und hätte Erfolg gehabt.

    Mir fällt es z.B. enorm schwer, Songs im Stil von Lady Gaga zu schreiben. Klar, den Stil zu kopieren ist einfach, aber das meine ich nicht. Wenn ich mit klassischen Musikern rede kommt oft der Kommentar, dass sowas doch Dreck sei. Dann bitte ich sie, mir auf dem Klavier mal eben so einen Dreck zu improvisieren – und sie schaffen es nicht.

  16. Ey Lou Flynn sagt:

    Hi Julian,

    vielleicht nimmst Du den Blogeintrag da oben ernster, als er gemeint war. (Weißte, ich bin generell kein so arg ernster Typ. :mrgreen: )

    Mir ist völlig Wurscht, was eine Lady Gaga macht und wie genial oder lausig sie ist. Das ist alles nicht meine Welt, ich bekomm’ auch fast nichts davon mit.

    Mir ging es nur darum, den allgemeinen Unbekannter-Musiker-Frust zu veranschaulichen ;)

  17. Spanksen sagt:

    Kann deinen Wunsch Lady Gaga zu sein gut nachvollziehen, auch ich fühle mich seit dem Gerücht, sie hätte einen Penis – extremst mit ihr verbunden ;-)

  18. Julian sagt:

    Ja, so habe ich das auch verstanden! :) Es war recht allgemein gemeint, denn ich kenne den Frust nur zu gut!

    Das mit dem Ernst habe ich schon vermutet ;-)

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