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Die Zukunft der Musikindustrie? Corporate Sponsorship!

von Ey Lou Flynn | 10 Kommentare
 

(Foto: aktivioslo)

2011 wird das Jahr, in dem die Musikindustrie nicht mehr leugnen kann, dass mit CDs und mp3s immer weniger Geld zu verdienen ist. Alles Zetern über Filesharer & Raubkopierer, alle neuen, cleveren Verkaufsideen konnten den Trend nicht aufhalten. Die fetten Jahre sind lange vorbei und die alten Geschäftsmodelle versagen.

2011 wird das Jahr, in dem übers Internet mehr Musik als jemals zuvor frei und legal verfügbar sein wird. Für ein paar Euro im Monat stehen persönliche Radiostreams oder freier Zugriff auf Millionen von Songs zur Verfügung. Warum noch einzelne Stücke kaufen und downloaden, wenn bald ALLE Musik in der Cloud rumschwirrt, die mit jedem Gerät, rund um die Uhr und rund um den Globus angezapft werden kann?

Das sind keine Zukunftsvisionen. Die Dienste existieren bereits, ihre Angebote werden jeden Monat umfangreicher & attraktiver. Willkommen in der digital vernetzten Gegenwart!

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Für Musikhörer ist das natürlich klasse: Einfacher Zugriff auf praktisch alle Musik, die jemals aufgenommen wurde, und alles zu sehr erschwinglichen Preisen. Yeehaa?

Für Bands und Musiker ergibt sich dagegen ein Problem:

Wo zum Teufel kommt das Geld her?

Sollte man auf Tour gehen? Merchandise verkaufen?

Beides haben Bands schon immer gemacht, aber wenn wir nicht gerade von “die ärzte” und “Lady Gaga” sprechen, kommt finanziell nicht viel dabei rum. Eine Konzerttour ohne Verluste abzuschließen, ist für viele Bands ein echter Erfolg, und ja, da sind auch die paar verkauften Bandshirts schon mit eingerechnet.

Wo kommt also das Geld her? Kleckerspenden von gnädigen Fans? Schlecht bezahlte Nebenjobs? Ha! Willkommen in meiner Welt! :D

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Aber ernsthaft – Es muss doch eine Möglichkeit geben, die saftigen Ausgaben von professionellen Bands zu decken? Und es gibt! Die Lösung und der größte kommende Trend im Musikgeschäft lautet: Corporate Sponsorship.

Corporate Sponsorship bedeutet, dass Unternehmen, Dienstleister und Konzerne (jepp, auch die bösen Großkonzerne) als Geldgeber einspringen und etablierten Bands ihre Aufnahmen, Videos, ihr Personal und ihre Auftritte (mit-)finanzieren. Dafür wollen sie ihre Markennamen mit den Bands und Musikern assoziiert sehen, wollen Musik der Bands für ihre Projekte, Filme, Rockband-Games und Werbespots lizensieren, als Sponsor genannt werden, die Band auf eigenen PR-Veranstaltungen auftreten lassen, vielleicht sogar einen schicken Red-Bull-Song von der finanzierten Band haben.

Symbiotische Beziehungen zwischen Künstler & Konzern sind denkbar. Konzerne als neue Labels, mit Bands und Musikern als werbeträchtigen Aushängeschildern? Okay, ob es so weit kommt, steht in den Sternen. Fest steht: Ohne die PR-Power, die Musiklabels geliefert haben, können Bands nur sehr schwer ein breites Publikum erreichen. Konzerne könnten genau hier enorm weiterhelfen.

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Klingt das alles furchtbar kommerziell und ganz und gar nicht nach Rock’n'Roll? Meine Güte, wir werden darüber hinwegkommen! So funktioniert Kapitalismus eben. Wir werden alle kostenlose Musik der Welt haben und wenn sich “Rage Against the Machine” fortan von Pepsi finanzieren lassen, ist das eben der Preis für diese güldene Musik-Zukunft. Suck it up!

Corporate Sponsorship wird unausweichlich kommen, weil 1. die Musiker das Geld brauchen und 2. Unternehmen fieberhaft nach Werbemöglichkeiten suchen, die im 21. Jahrhundert funktionieren. TV-Werbung, Anzeigen, Online-Banner, nichts wirkt mehr! Corporate Sponsorship ist die Ausnahme. Es funktioniert im Sport, in Hollywood-Filmen, warum also nicht für bekannte Bands? Idole einer ganzen Generation von Musikfans, fast alle im Idealbereich der werberelevanten Zielgruppe?

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Der Haken an der Sache: Corporate Sponsorship wird vor allem etablierten Bands zu Gute kommen. Denen, die einem Massenpublikum gefallen können und die sich mit dem Image der finanzierenden Marken vertragen. Für alle kleinen, schrägen, regionalen, unbekannten Bands gilt nach wie vor: Durchbeißen und von einem Plattenvertrag einem Werbevertrag mit McDonalds träumen. Hey, Wunder geschehen!

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veröffentlicht: 2/02/11
 

10 Kommentare zu „Die Zukunft der Musikindustrie? Corporate Sponsorship!“

  1. Auch wenn ich nicht immer drauf rumhacken will: Wenn man (Künstler) sich die Chance entgehen läßt, im Radio gespielt zu werden… Nicht wahr, Ey Lou?????
    Ach, ich hör ja schon auf…

    Das Schlimme an dem Trend ist:
    Bands müßen in Zukunft meist Mainstream sein. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Marken wie Audi, BMW, Mercedes oder Allianz mit schrägen Charakteren wie z.b. dir Werbung machen wollen.
    Das ist Schade, passt aber zum allgemeinen Trend.
    Alles wird immer “Gleicher”.
    Irgendwann schlägt das natürlich wieder ins Gegenteil um, aber bis dahin bist du verhungert oder frustriert, oder beides. :-D

  2. Dr. Borstel sagt:

    Kapitalism is evil!!!!11elf

    Nein, du hast schon recht. Lediglich eines möchte ich anmerken, zum letzten Absatz nämlich: Die vier Major Labels werden sich aus Gründen, die du gut zusammen gefasst hast, und weiteren nicht mehr ewig halten, und deren Untergang wird besagten etablierten Bands so sehr schaden, dass das Attribut “etablierte Band” keine allzu große Zukunft mehr hat. Mit der Musik”industrie” geht es abwärts, und ohne die schützende Hand der Majors wird sich stumpfe Massenware in Zukunft nicht mehr so einfach durchsetzen können. Oder, anders ausgedrückt, Qualität wird sich (schneller als bisher) etablieren, talentierte neue Bands haben leichter die Möglichkeit, aufzusteigen, denn wenn das Internet eines kann, dann Trends aufbauen und pushen. Und, ganz wichtig: Der Geschmack des “Massenpublikums”, wie du es nennst, verändert sich jetzt schon immer schneller. Heute stehen ehemalige Nischen-Indie-Bands wie Arcade Fire auf einmal ganz oben in den Charts, ohne wirklich Mainstream-Mucke zu machen. Morgen wird der Mainstream vielleicht Post-Rock, Glo-Fi oder Dub für sich entdecken. Und übermorgen Hippie-Punk. Musik 2.0 lässt sich nicht mehr vorhersagen.

  3. Spanksen sagt:

    Vielleicht muss es nach dem Sell-Out mal zum Supergau kommen damit Musik wieder zu seinen Wurzeln zurückfindes, Hip Hop würde es jedenfalls verdammt gut tun

  4. Ey Lou Flynn sagt:

    Applejünger – Ich verspreche, ich werde nicht verhungern oder frustrieren! :D

    Spanksen – Ich werde den Hip Hop eigenhändig zu seinen Wurzeln zurückführen! Auch versprochen.

    Dr. Borstel,

    “Qualität wird sich (schneller als bisher) etablieren, talentierte neue Bands haben leichter die Möglichkeit, aufzusteigen, denn wenn das Internet eines kann, dann Trends aufbauen und pushen.”

    Das Internet kann Trends aufbauen und pushen, aber das ist ein völlig unberechenbarer Prozess und für Bands wenig hilfreich.

    Selbst wenn eine Band das große Glück haben sollte, kurzfristig gehyped zu werden – das ist keine Grundlage für eine langfristige Karriere, zumal sich Hype nicht mit Einkommen gleichsetzen lässt.

    Inwieweit sich “Qualität” (die natürlich jeder anders definiert) schneller und besser verbreitet als bisher, sehe ich überhaupt nicht. Die Bands, die oben schwimmen, sind die mit professioneller PR-Maschinerie im Hintergrund (Arcarde Fire waren schon bei VIER Labels unter Vertrag). Klar, das Internet hat die ganzen kleinen Nischen etwas sichtbarer gemacht, aber es sind eben nach wie vor nur Nischen ;)

    Die meisten Leute wollen hören, was im Radio läuft, was angesagt ist und was alle ihre Freunde hören. Sie wollen dazugehören, wollen den Glamour, die großen Events und durch die Medien gepeitschten Instant-Pop. Lena Meyer-Landrut wird für die meisten Leute IMMER aufregender sein, als die supertolle Indie-Band von nebenan.

    Das ist der Reiz von Popmusik, und das wird nicht verschwinden, auch wenn die Major-Labels weiter auf Tonträgerverkäufe setzen und verkümmern. Ich denke, es werden neue Geschäftsmodelle kommen, die die alten Strukturen aufrecht erhalten. Corporate Sponsorship könnte hier an erste Stelle treten.

    (Das heißt ja nicht, dass ich das so irre toll fände. Ich halte es nur für realistisch.)

  5. lalala sagt:

    was hat denn das foto von lena mit dem post zu tun??

  6. Harald sagt:

    Eine zentrale Aussage im Artikel ist, dass ‘Live’ nicht die finale Alternative ist. Sicher liegt es auch mit da dran, dass viele Musiker jetzt verstärkt auf den Konzertemarkt drängen, der begrenzt ist.

    Um gute Musik und gute Shows anbieten zu können muss die Musik ein Vollzeitjob sein – und nicht nur das: es muss auch genug Zeit bleiben, um Neues zu entwickeln.

    Es fehlt also an Geld. Neue Märkte werden nicht erschlossen – wenn es sie überhaupt gibt. Auch Sponsoring ist nicht neu, der Kuchen dürfte schon weitestgehend für Events und Konzerte verteilt sein.

    Das Geld ist da. Die Menschen sind bereit, Geld für Musik auszugeben. Es muss jedoch ein Mehrwert geschaffen werden, der bei MP3 und Co. nicht gegeben ist. Was auf lange Sicht bezahlt wird, ist der bequeme Zugriff auf Musik und zusätzlichen Informationen. Da gibt es noch viele Probleme zu lösen, angefangen von der unzureichenden Verbreitung von schnellem Internet bis hin zur Abrechnung von internationalen Sound- und Videodiensten (GEMA vs. Youtube).

    Bis dahin gilt es, die Durststrecke zu überstehen.

  7. Julian sagt:

    Was ich an den Ärzten so fürchterlich finde: Haben ein eigenes Label -> Lizensieren ihre Musik nur an ein Majorlabel -> Streichen dadurch die ganze Kohle ein, die früher dazu da war, kleinere Bands zu stützen -> Tun aber so, als seien sie die Wohltäter der Industrie.

    Wie dem auch sei. Ich war heute positiv davon überrascht, im neuen Postbank Spot die Musik der tollen Sophie Madeleine zu entdecken. Sie hat kein Label, macht alles im Eigenvertrieb und hat so die Möglichkeit, in die Charts zu kommen, denn ins Radio wird sie es anders nicht schaffen. Daher begrüße ich Corporate Sponsorship.

    Auf das Threadbild bezogen: Übelste Abzocke. Wir zahlen Rundfunkgebühren damit Lena und Stefan Raab reicher werden und Dauerpromo bekommen. Und das für Lieder, die aus 3 1/2 Tönen bestehen…

  8. Ey Lou Flynn sagt:

    @Julian -
    “Was ich an den Ärzten so fürchterlich finde: Haben ein eigenes Label -> Lizensieren ihre Musik nur an ein Majorlabel -> Streichen dadurch die ganze Kohle ein, die früher dazu da war, kleinere Bands zu stützen -> Tun aber so, als seien sie die Wohltäter der Industrie.”

    Hmm, sehe ich anders.

    1. Ist das wirklich “fürchterlich”? Die Ärzte sind doch nicht die Caritas. Davon abgesehen nehmen sie auf Tour immer wieder unbekannte Vorbands mit, halten die Ticketpreise viel niedriger, als sie müssten, betreiben SEHR viel Aufwand für ihren Fanclub, unterstützen eine Bootleg-Seite für Konzert-Mitschnitte usw. Das ist für eine einzige Band eigentlich nett genug ;)

    2. Das Musikbusiness hat noch nie “kleinere Bands gestützt”, es sind einfach unzählige Gruppen mit kommerziellem Potential aufgebaut worden, in der Hoffnung, dass einige wenige fette Gewinne abwerfen. Und die Verlierer dieser Lotterie sind dann auch wieder knallhart abgesägt worden. Dass das jetzt nicht mehr passiert, liegt doch nicht daran, dass kein Geld mehr da ist, sondern vielmehr daran, dass das Geschäftsmodell nicht mehr aufgeht, wenn keiner mehr Musik kauft.

    3. “Wohltäter der Industrie”? Habe nie mitbekommen, dass sie sich so bezeichnen.

    4. Verzeih mir. Ich bin DÄ-Fän ;)

  9. Julian sagt:

    Es geht ja auch gar nicht gegen die Ärzte – sie waren nur die Ersten die mir in den Sinn kamen. Wir hätten auch Wir sind Helden nehmen können. Natürlich ist auch der “Fan” schuld, der keine CDs kauft (oder die Plattenfirma, die DSDS veröffentlicht). Und ja, auch der Bootlegservice ist bei den Ärzten ähnlich Phänomenal wie z.B. bei Grateful Dead. Dennoch ist es bei einer Band in der Größe der Ärzte (oder Wir sind Helden) schon ein Ding, wenn nur noch Lizenzen vergeben werden. Da steht einfach im Kontrast zum sonst recht sozialistisch gehaltenen Image – ähnlich wie einige Schauspieler oder Talkmaster/innen, die sich auch noch als Produzenten ihrer Sendung eintragen lassen. Da kommt bei mir schnell der Gedanke hoch, dass es eben doch nur ums Geld geht. Andererseits würde ich meine Musik auch nicht an ein Label verkaufen und hinterher darf ich meinen Kram nichtmal veröffentlichen, wenn es dem Labelboss nicht passt. Durch das Konzept ist das Label dann nur noch ein Service, der CDs vervielfältigen lässt bzw. das Geld dafür vorsteckt. Das kann doch nicht die Funktion eines Labels sein?

    Für mich passt einfach die Kombination Linke Band / Kapitalismus nicht. Aber andererseits müssen auch Die Ärzte (Ton Steine Scherben / Wir sind Helden) ihre Rechnungen zahlen…

    Ich habe früher auch gerne Ärzte gehört – ist jetzt schon ein paar Jahre her, aber Le Friseur finde ich immer noch toll.

  10. Joaquin sagt:

    Ich würde aber schon sagen, dass es nicht den einen Weg für alle gibt. Hier muss jeder sehen was, wie, wo für ihn uns seiner Musik und Person passt. Denn der hier beschriebene Weg passt nicht auf jedes Format.

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